7.12.04

der geldautomat, das unbekannte wesen.

Um Geld aus einem Geldautomaten zu zaubern, benötigt man durchschnittlich 30 Sekunden. Sofern man im Alter zwischen 5 und 80 Jahren ist. Denn dann sollte man das Prinzip einer solchen Maschine eigentlich durchschaut haben. Karte rein, Geldsumme wählen, Geheimzahl eintippen, Karte und Geld raus, fertig. Dass es Menschen gibt, die für diesen Routinevorgang ein bisschen länger brauchen, erfuhr ich heute leider am eigenen Leib. Eine etwa 50-jährige, gut gekleidete Dame stand vor mir am Automaten. Tippte, tippte, schaute, tippte wieder, schaute und las, welch geheimnisvolle Mitteilung dort auf dem Bildschirm für sie stand. Zwei Minuten später kam dann auch ihre Karte heraus, ich atmete auf, freute mich, an der Reihe zu sein. Doch denkste. Sie schob die Karte wieder rein, tippte wieder, las aufmerksam wie in der Bibel, tippte und ließ sich nicht irritieren, dass auch andere Leute gern diesen Automaten benutzen möchten. Um es kurz zu machen: Der Vorgang wiederholte sich noch mehrere Male. Immer kam die Karte irgendwann ohne Geld wieder heraus, immer schob sie sie wieder herein. Wohlgemerkt: Es handelte sich nicht um einen dieser Automaten, an denen man auch gleich noch sämtliche Bankgeschäfte erledigen kann. Die beiden einzigen Optionen waren: Kontostand abfragen und Geld herausholen. Ich werde wohl nie erfahren, welch sensationellen weiteren Features die Dame entdeckt hat, die sie so lang an den Automaten fesselten. Nach 10 Minuten gab ich jedenfalls auf und ging. Ohne Geld. Dafür mit ein paar Nerven weniger.